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Tagung am 19.06.08

Bericht zur Veranstaltung „Benchmarking mit der Pflege-Charta – Ergebnispräsentation“ am 19.06.08 im Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Stationäre Pflegeeinrichtungen setzen sich für die Umsetzung der Pflege-Charta ein! Praxisprojekt zur Pflege-Charta stellt Ergebnisse vor! Leitfaden zur Selbstbewertung stationärer Pflegeeinrichtungen veröffentlicht!

Wie stationäre Einrichtungen der Altenhilfe mit der Pflege-Charta arbeiten und welche Effekte damit in der Organisation ausgelöst werden können, wurde auf der Veranstaltung „Benchmarking mit der Pflege-Charta - Ergebnispräsentation“ am 19. Juni 2008 in Gelsenkirchen vorgestellt. Rund 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, vor allem Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmensführungen und Trägerverbänden, nahmen an der Veranstaltung teil, um aus erster Hand die Ergebnisse aus dem Praxisprojekt „Die Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen als Basis für Qualität und Transparenz in der stationären Altenhilfe“ zu erfahren. Die Veranstaltung wurde von der Leitstelle Altenpflege im Deutschen Zentrum für Alterfragen in Zusammenarbeit mit Konkret Consult Ruhr und dem Bundesseniorenministerium durchgeführt.

Die neun Einrichtungsleiterinnen und Einrichtungsleiter, die an diesem Projekt teilgenommen hatten, berichteten über ihre Erfahrungen mit der Einführung und Umsetzung der Pflege-Charta in ihren Organisationen. Dabei vermittelten sie den Zuhörerinnen und Zuhörern zahlreiche Ideen und konkrete, leicht übertragbare Projekte, Aktionen und Praxisbeispiele, die vor allem auf die Verbesserung der Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner abzielen.

MinDir Dieter Hackler, Abteilungsleiter „Ältere Menschen“ im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, eröffnete die Fachtagung. Er dankte den teilnehmenden Einrichtungen für ihr vorbildliches Engagement: „Mit Ihrem Engagement für die Umsetzung der Pflege-Charta leisten Sie nicht nur einen Beitrag zu einer positiveren Wahrnehmung der Altenpflege in der Öffentlichkeit – sondern darüber hinaus auch zu einer neuen Kultur der Altenpflege. Pflegeheime sind heute noch zu häufig mit Vorstellungen von Fremdbestimmung und Ausgeliefertsein verbunden. Altenpflege muss künftig mit Begriffen wie Lebensqualität verbunden werden und die Auseinandersetzung mit der Pflege-Charta trägt dazu bei.“

Roland Weigel von Konkret Consult Ruhr stellte das Projekt, seine Instrumente und Methoden vor. Seine Bilanz fiel positiv aus: „Die Pflege-Charta gibt einen geeigneten Rahmen, um gute Praxis auf der Grundlage eines allgemein anerkannten Maßstabes für gute Pflege und Betreuung zu präsentieren und zu verdeutlichen, gleichzeitig aber auch die Möglichkeit Verbesserungsbereiche zu benennen und anzugehen.“

Auf großes Interesse stieß der „Leitfaden zur Selbstbewertung stationärer Pflegeeinrichtungen auf Grundlage der Charta“, der im Rahmen des Praxisprojektes entstand und während der Veranstaltung vorgestellt wurde. Die Durchführung der Selbstbewertung, weiteren Kundenbefragungen auf Basis der Pflege-Charta sowie die Erfahrungen damit wurden von Bernhard Stärck (AWO Wohnpflege und Service gGmbH, Neumünster) und Helmut Wallrafen-Dreisow (Sozial-Holding Mönchengladbach) vorgestellt. Zur momentanen Fachdiskussion über Ergebnisqualität in der Altenpflege sagte Wallrafen-Dreisow: „Die Pflege-Charta ist ein gutes Fundament für die Ergebnismessung in der stationären Altenhilfe“.

Besondere Aufmerksamkeit erhielten leicht übertragbare Aktivitäten der Einrichtungen, die das Ziel haben, die Alltagsroutine der Institutionen zu durchbrechen und eine stärkere Sensibilisierung für die Lebenswelt der Bewohnerinnen und Bewohner zu entwickeln. Roswitha Albrecht (Seniorenzentrum Bergfelde der St. Elisabeth-Diakonie) und Wolfgang Dyck (Rudolf-Schloer-Stift der Grafschafter Diakonie) stellten dazu die Konzepte „Schattentage“ und „simulierter Heimeinzug“ vor und berichteten über das Vorgehen und ihre Erfahrungen in den Organisationen. „Haben Sie Mut und probieren Sie es aus – es ist ganz einfach aber hat hohe Wirkung!“, beendete Roswitha Albrecht ihren Vortrag.

Der Geschäftsführer der Caritas-Betriebsführungs- und Trägergesellschaft Köln (CBT), Franz Josef Stoffer, appellierte mit seinem Vortrag „Mit Werten in Führung gehen – Wertschöpfung durch Wertschätzung“ an die Verantwortung von Führungskräften, eine Kultur der Menschlichkeit in ihren Unternehmen zu prägen.

Elisabeth Römisch (AWO-Seniorenzentrum Theo-Burauen-Haus, Köln) und Axel Trompeter (Caritas Altenheim St. Raphael, Bad Fredeburg) hatten unter anderem das Medium Theater gewählt, um in ihren Einrichtungen Veränderungen der Organisationskultur anzustoßen. Axel Trompeter stellte das in seinem Haus eingeführte Kommunikationstraining für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor, bei dem mit szenischen Darstellungen in dem Unternehmen gearbeitet wird. Eine Kostprobe des Stücks „Schwester, einmal à la Charta, bitte!“, welches im Seniorenzentrum Theo-Burauen-Haus entstand und von der Schauspielerin Petra Kalkutschke und dem Schauspieler Marcus Vick dargeboten wurde, stieß auf Begeisterung beim Publikum. Mit Witz, Wortspielerei und Ausdruckstärke wurden Alltagssituationen aus der Pflege szenisch dargestellt - und regten zum Nachdenken an. Andreas Reichert (Haus Maria der Seniorenhilfe SMMP, Geseke) und Uwe Beul (Caritas Seniorencentrum St. Liborius, Attendorn) stellten die in ihren Einrichtungen entstandenen Plakate und Fotografien zu diesem Thema vor, berichteten über den Prozess der Entstehung und ihre Erfahrungen.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch ein Schlusswort von Clemens Tesch-Römer (Institutsleiter des Deutschen Zentrums für Alterfragen), der seine Achtung vor dem Einsatz der Pflegeeinrichtungen bekundete: „Würde bewahren heißt Würde gewinnen. Mit allem, was Sie leisten, um die Pflege-Charta in Ihren Organisationen mit Leben zu füllen, erweisen Sie nicht allein den Bewohnerinnen und Bewohnern ihre Würde – sondern auch sich selbst, durch ihr verantwortliches Handeln.“

Grundton der Veranstaltung war, dass der Umsetzungsprozess der Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen vorangebracht worden sei und dass dieser Weg konsequent weitergegangen werden müsse, um notwendige Qualitätsverbesserungen für eine menschenwürdige Kultur der Altenpflege zu erreichen. Die guten Praxisbeispiele der Einrichtungen, die mit der Pflege-Charta arbeiten, tragen dazu bei, die zu oft negative öffentliche Wahrnehmung von Altenpflegeeinrichtungen zu verbessern.
Die Präsentationen der Tagung, der Projektbericht sowie der Leitfaden zur Selbstbewertung können auf dieser Website heruntergeladen werden.

Vorträge und Präsentationen der Tagung finden Sie hier.

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