Tagung am 24.06.2009
„Würdevolle Pflege in Sachsen-Anhalt gestalten – Die Pflege-Charta gemeinsam umsetzen“ am 24.06.2009 im Sozialministerium Magdeburg
Eine der wichtigsten gesamtgesellschaftlichen Aufgaben ist die Ausgestaltung menschenwürdiger Hilfe- und Pflegestrukturen in Deutschland. In dieser regionalen Veranstaltung stand die Frage im Mittelpunkt, was in Sachsen-Anhalt zu tun ist, damit die deutsche Pflege-Charta umgesetzt wird.
Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Bereichen der Pflegelandschaft Sachsen-Anhalts – wie beispielsweise Vertreterinnen und Vertreter von ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen, von Kranken-, Pflegekassen und des MDK, von Seniorenorganisationen und Berufsverbänden kamen ins Ministerium für Gesundheit und Soziales in Magdeburg. Diese bundesweit erste, akteursübergreifende Landesveranstaltung zur Umsetzung der Pflege-Charta wurde in Kooperation des Ministeriums für Gesundheit und Soziales Sachsen-Anhalt, des PARITÄTISCHEN Landesverbandes Sachsen-Anhalt und der Leitstelle Altenpflege im Deutschen Zentrum für Altersfragen durchgeführt. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das sich für die bundesweite Bekanntmachung und Umsetzung der Pflege-Charta einsetzt, hat die Veranstaltung finanziell gefördert.
Das Ergebnis der Veranstaltung war einhellig: Die Qualität der Versorgung hilfe- und pflegebedürftiger Menschen in Sachsen-Anhalt ist überwiegend gut. Um die Situation hilfe- und pflegebedürftiger Menschen noch weiter zu verbessern und dabei ihre Perspektive noch mehr zu berücksichtigen, wird die Pflege-Charta auch in Zukunft dazu genutzt werden, als Arbeitsgrundlage weitere Qualitätsverbesserungen anzuschieben. Zugleich bietet die Pflege-Charta im Sinne der Qualitätstransparenz einen verbrauchergerechten Maßstab, um auch öffentlich deutlich zu machen, dass großflächig in Sachsen-Anhalt sehr gute Arbeit in der Pflege geleistet werde. Alle Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer bekräftigten, die Pflege-Charta in ihren Arbeitszusammenhängen zukünftig verstärkt zum Einsatz zu bringen, ob in der Pflegeberatung, dem externen oder internen Qualitätsmanagement oder durch Verbreitung der Broschüren.
Staatsekretärin Prof. Dr. Christiane Dienel des Ministeriums für Gesundheit und Soziales betonte in ihrem Grußwort, dass Sachsen-Anhalt in den letzten Jahrzehnten einen bemerkenswert schnellen und erfolgreichen Weg zu einer modernen Hilfe- und Pflegelandschaft gegangen sei. Dennoch bestehe Weiterentwicklungsbedarf, insbesondere für die Unterstützung pflegender Angehöriger und die Einbindung von Ehrenamtlichen in Pflegearrangements sei noch eine Menge zu tun.
Wichtige Impulse für die Weiterentwicklung von Hilfe- und Pflegestrukturen in Deutschland gab Prof. Christel Bienstein, die Leiterin des Instituts für Pflegewissenschaften an der Universität Witten/Herdecke, in ihrem Grundsatzvortrag. „In Zeiten des demografischen Wandels und der voraussichtlichen Zunahme des Anteils pflegebedürftiger Menschen in unserer Gesellschaft, muss alles dafür getan werden, dass genügend professionelle Pflegekräfte gewonnen werden und Menschen aller Generationen ihren Angehörigen zur Seite stehen, damit ein Leben in Sicherheit und Würde auch bei Pflegebedarf weiter ermöglicht wird“. (...) „Pflege mit all ihren Facetten wird in Zukunft fester Bestandteil des Alltagsgeschehens in unserer Gesellschaft sein – ob zuhause im Supermarkt oder beim Friseur – darauf können und müssen wir uns einstellen“, so Prof. Bienstein.
Daniela Sulmann von der Leitstellte Altenpflege (gefördert vom BMFSFJ) beim Deutschen Zentrum für Altersfragen in Berlin stellte die deutsche Pflege-Charta vor. „Es gibt viele unterschiedliche Ansatzpunkte, die Pflege-Charta zu verankern: In Leitbildern und Konzeptionen von Politik, Kommunen und Institutionen, in Gesetzen und in der Pflegeberatung. Und die Charta wird herangezogen von Medizinischen Diensten und Heimaufsichten. Eine ganze Reihe von Institutionen haben sich mittlerweile selbstverpflichtet die Charta umzusetzen – auf der Website www.pflege-charta.de gibt es eine Unterzeichnungsaktion. Die Charta dient auch als Grundlage von werteorientierten Qualitätsmanagementsystemen, wie zwei Praxisprojekte mit stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen zeigen.“
Eine Möglichkeit der Umsetzung der Pflege-Charta stellte Carola Lau, die Beauftrage der Qualitätsgemeinschaft Pflege des PARITÄTISCHEN in Sachsen-Anhalt vor. Sie präsentierte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die grundwerteorientierte Qualitätsentwicklung, die die Gemeinschaft mit Hilfe der Charta beschreitet. Editha Hofmeister (PSW Altenhilfe-Sozialstation & Tagespflege Egeln) und Brigitte Gotzel (Volkssolidarität Regionalverband Magdeburg Jerichower Land), die mit ihren ambulanten Diensten an einem bundesweiten Praxisprojekt zur Umsetzung der Pflege-Charta teilnehmen, berichteten von ihren Erfahrungen. „Bei dieser Veranstaltung möchte ich die Möglichkeit nutzen, Sie alle dazu aufzufordern mit uns diesen Weg weiterzugehen, denn nur zusammen können wir die Pflege-Charta wirksam in Sachsen-Anhalt implementieren“, so die Einladung von Carola Lau zu einem akteursübergreifenden Bündnis für die Charta.
Gerriet Schröder von der AOK Sachsen-Anhalt stellte das Recht auf Beratung (Artikel 4 der Pflege-Charta) in den Vordergrund. Mit dem Modellprojekt „Vernetzte Pflegeberatung“ mit den Standorten Harz und Magdeburg wird ein möglicher Sonderweg für Sachsen-Anhalt erprobt, um die Pflegeberatung nach § 7a SGB XI umzusetzen. „In Sachsen-Anhalt und in den anderen neuen Bundesländern gibt es andere Beratungsstrukturen als in Schleswig-Holstein oder Baden-Württemberg und deswegen erproben wir hier gemeinsam mit allen Krankenkassen und dem Sozialministerium diese Form der Beratung“, beschrieb Gerriet Schröder die Situation vor Ort.
Mit dem Auszug aus der Alltagsrevue „Schwester, einmal á la Charta, bitte“ von Petra Kalkutschke und Marcus Vick wurde dann noch einmal eine andere Form der Umsetzung der Pflege-Charta vorgestellt. Mit viel Einfühlungsvermögen aber auch provokanten Szenen stellten die Darstellerin und der Darsteller eine Vielzahl von typischen und untypischen Situationen in der Pflege dar und zeigten, wie nahe Komik und Tragik im Leben beieinander liegen.
Leitfrage der Podiumsdiskussion waren konkrete Schritte der Akteure zur Umsetzung der Pflege-Charta in Sachsen-Anhalt. Neben der Staatsekretärin Prof. Dr. Christine Dienel, Carola Lau und Gerriet Schröder, nahmen Dr. Manfred Böttcher (Kreis-Seniorenvertretung Jerichower Land), Daniel Heyer (Bundesverband Privater Anbieter sozialer Dienste Landesverband Sachsen-Anhalt), Jochen Rechtenbach (Volkssolidarität Regionalverband Magdeburg/Jerichower Land) sowie Stefan Rudloff (MDK Sachsen-Anhalt) auf dem Podium Platz. Die Runde war sich einig, dass sich hinsichtlich des pflegerischen Versorgungsangebots in Sachsen-Anhalt sehr Vieles sowohl qualitativ als auch quantitativ zum Positiven verändert hätte. Einzelne Negativberichte in den Medien über Pflegemissstände in den letzten Jahren hätten die reale Situation verzerrt, zudem würden sie dem Berufsbild Altenpflege schaden – Altenpflegekräfte würden überwiegend hervorragende Arbeit leisten – und bereits heute in Sachsen-Anhalt mehr denn je gebraucht.
Den Flyer zur Veranstaltung finden Sie hier.



