Pflegeeinrichtungen gemeinsam mit der Pflege-Charta auf dem Weg in die Praxis - das Projekt im stationären Bereich
1. Ziel
In einem Praxisprojekt (Juni 2007 bis Juni 2008) haben neun stationäre Pflegeeinrichtungen systematisch mit der Pflege-Charta gearbeitet. Ziel war es, Wege und Methoden hinsichtlich der Anwendung der Pflege-Charta in stationären Pflegeeinrichtungen zu erarbeiten, daraus resultierende Effekte und Probleme zu benennen sowie Handlungsansätze aufzuzeigen. Angestrebt wurde die Erarbeitung praktikabler Ansätze für Einrichtungen der Altenhilfe zur systematischen Auseinandersetzung mit der Pflege-Charta sowie zur Selbstreflexion bzw. Selbstbewertung. Darüber hinaus sollten Altenhilfeeinrichtungen bei der Darstellung ihrer Leistungen hinsichtlich der Umsetzung der Pflege-Charta unterstützt werden.
Entstanden sind gute Projekte, ein Leitfaden und wichtige Hinweise für die Gestaltung der Pflegequalität mit der Charta. Informationen dazu können Sie weiter unten nachlesen.
Das Projekt wurde auf einer Tagung in Gelsenkirchen der Öffentlichkeit vorgestellt. Den Tagesbericht und weitere Informationen finden Sie hier.
2. Projektbeteiligte
Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und von der Servicestelle Pflege-Charta im Deutschen Zentrum für Altersfragen begleitet. Die Durchführung des Projekts lag bei Konkret Consult Ruhr. Der Projektbeirat setzte sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern der Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung (BIVA) e.V., des Verbraucherzentrale Bundesverbands und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen. Die beteiligten Pflegeeinrichtungen/Träger waren:
- AWO Haus an der Stör (AWO Wohnpflege und Service gGmbH), Neumünster
- Caritas Altenheim St. Raphael (Caritas Wohnen und Werkstätten Paderborn), Bad Fredeburg
- Caritas Seniorencentrum St. Liborius (Caritas Wohnen und Werkstätten Paderborn), Attendorn
- CBT Wohnhaus St. Johannes (Caritas Betriebs- und Trägergesellschaft), Erkrath
- Rudolf-Schloer-Stift ev. Altenwohnhaus (Grafschafter Diakonie gGmbH), Moers
- Wohn- und Pflegezentrum Haus Maria (Schwestern der Heiligen Maria Magdalena Postel), Geseke
- Seniorenzentrum Theo-Burauen-Haus der AWO, (AWO Landesverband Köln e.V.), Köln-Ehrenfeld
- Städtisches Altenheim Windberg (Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH), Mönchengladbach
- Elisabeth-Seniorenzentrum Bergfelde (St. Elisabeth-Diakonie gGmbH), Bergfelde
3. Kurzzusammenfassung der Ergebnisse
Die Ergebnisse geben unter anderem Hinweise auf die Verbesserung der Lebensqualität von Bewohnerinnen und Bewohnern stationärer Pflegeeinrichtungen: Um die Voraussetzungen für eine gute Lebensqualität in den Institutionen zu schaffen, sollten Alltagsroutinen hinterfragt und die Perspektive der Bewohnerinnen und Bewohner mehr als bisher in den Mittelpunkt der Qualitätsentwicklung gestellt werden. Die organisationsbezogene Auseinandersetzung mit der Pflege-Charta kann dabei hilfreich sein. Die Einrichtungen hatten in einem moderierten Prozess Selbstbewertungen mithilfe eines Leitfadens, der auf der Pflege-Charta basiert, durchgeführt. Daraus entstanden Handlungspläne mit kurz- und längerfristigen Maßnahmen und Projekten sowie eine Sammlung von Praxisbeispielen im Hinblick auf die Umsetzung der Artikel der Charta. Besonders herauszustellen sind Projekte, die einen Perspektivwechsel der Mitarbeiterschaft zur Perspektive der Bewohnerinnen und Bewohner einleiteten: „Schattentage“, simulierter Heimeinzug, Theater- und Fotoaktionen.
4. Vorgehen
Das Projekt war auf zwölf Monate angelegt. In den ersten drei Monaten entstand in einem moderierten Prozess im Rahmen des Benchmarkingkreises ein Leitfaden zur Selbstbewertung der Einrichtungen, der die Gliederung der Pflege-Charta mit den acht Artikeln aufnimmt und in Fragen an die Einrichtungen übersetzt. In der zweiten Projektphase führten alle beteiligten Einrichtungen eine extern begleitete Potentialanalyse (Stärken-Schwächen-Analyse) durch. Die Stärkenprofile waren die Basis für die Auswahl von Beispielen guter Praxis der Einrichtungen, die in den Benchmarkingkreis einflossen, um gegenseitig voneinander zu lernen. Die Verbesserungsbereiche wurden in den Einrichtungen thematisch gebündelt, priorisiert und in einrichtungsbezogene Aktionspläne übersetzt. Die Einrichtungen hatten anschließend sechs Monate Zeit, um ausgewählte Verbesserungsmaßnahmen zu bearbeiten und Kurzberichte zu erstellen. Im Rahmen der gemeinsamen Auswertung der Selbstbewertungen entstand eine Sammlung von Praxisbeispielen, die mit Blick auf die Artikel der Charta, in den beteiligten Einrichtungen umgesetzt werden. Zum Abschluss wurden die Berichte zusammengetragen und der Öffentlichkeit im Rahmen einer Transferveranstaltung präsentiert.
Weitere Informationen
Den vollständigen Projektbericht können Sie hier herunterladen.
Der „Leitfaden zur Selbstbewertung stationärer Pflegeeinrichtungen auf Grundlage der Pflege-Charta“ steht als Download hier zur Verfügung.
Informationen und Präsentationen zur Praxistransferveranstaltung vom 19. Juni 2008 finden Sie hier.
Informationen zum Projekt, Adressen und Materialien erhalten Sie auch bei der Servicestelle Pflege-Charta im Deutschen Zentrum für Altersfragen.


